Freitag, 12. Juni 2015

Neues von Algodao

In meinem heutigen Beitrag erfahrt Ihr ein wenig mehr zu unserem Pechvogel Algodão. Ich hab bereits mehrfach mit der Klinik und seinem persönlichen Betreuer gesprochen und ihn überreden können, uns Bilder zu schicken. Ja, das ist nicht ganz so einfach, denn leider bin ich ja gesundheitlich nicht in der Lage gewesen, selbst die Strecke zu meistern, was wir ja sonst immer machen. Dann sind Fotos auch kein Thema, weil wir sie selber machen. Dennoch hat es geklappt und wir wissen es zu schätzen, denn man muss sich vorstellen, dass dort bis zu 50 Hunde gleichzeitig in Therapie sind und wenn jeder Besitzer laufend nach Fotos schreien würde, dann könnten die einen Fotografen einstellen, der nix Anderes macht. Naja und man sollte auch nicht vergessen, dass der Klinikverbund mit dem wir arbeiten, eigentlich nur für Tierärzte arbeitet und somit nur indirekt für Endkunden. Dass man als Endkunde den direkten Kontakt haben kann, ist eine große Ausnahme und basiert auf der Tatsache, dass wir schon über 10 Jahre zusammenarbeiten und sowohl HVA wie auch Referencia Veterinaria noch aus den Anfangszeiten kennen und großes gegenseitiges Vertrauen besteht.

Jeder Hund hat dort einen persönlichen Pfleger und Therapeuten, der dann immer ganz genau Bescheid weiß und immer mit dem Hund zusammen ist. So haben die Pfleger also ihre kleinen Gruppen an Patienten und arbeiten mit diesen. Der Vorteil ist, dass jeder Hund immer unter Beobachtung steht, was Ärzte ja so nicht leisten könnten. HVA beschäftigt ca. 10 Ärzte, hat immer um die 50 Therapiefälle und darüber hinaus ja noch die "normalen Fälle" im Bereich innere Medizin was deren anderes Fachgebiet ist. Somit ist der Bub also super betreut. Die Klinik ist übrigens eine 24H Klinik, was bedeutet, dass auch nachts immer ein Arzt und mehrere Pfleger vor Ort sind, wie in einem normalen Menschenkrankenhaus auch.

Apropos innere Medizin: Algodão hat ja auch noch ein Problem mit Zeckenfieber - Ehlichiose und Rickettsia. Das macht ihm insofern zu schaffen, als insbesondere die Rickettsia auch schmerzhafte Auswirkungen auf die Gelenke hat und das ist genau das, was man in der Physio nicht gebrauchen kann. Die beiden Krankheiten werden behandelt, ganz klar und heute kommt ein neues Hämmogramm als Kontrolle, um zu sehen wie die Behandlung anschlägt. Der Bub war ja schon vor dem Unfall recht klapprig und schwach, sodass auch sein Immunsystem noch nie wirkloch toll war. Sowas macht die Heilung natürlich langwieriger. Dennoch ist das alles nicht lebensbedrohlich. Er hat auch guten Hunger und bekommt Aufbaufutter der besten Sorte.

Was nun seine Hydrotherapie angeht, so macht er die fleißig mit, ist total lieb und verträglich, aber es ist immer noch alles von Schmerzen gekennzeichnet. Ich füge ein Bild an, auf dem man die Narbe der Beinoperation sehr gut sehen kann. Sie ist wirklich sehr lang, geht fast das dreiviertel Bein runter. Oben am Femur sieht man noch gut die rote Stelle, die noch nicht ganz zugeheilt ist. Das alles macht ihm natürlich zu schaffen. Schmerzmittel geben darf man aber nicht, denn das würde dazu führen, dass es bei der Hydrotherapie zu keiner natürlichen Grenze mehr kommt, er sich womöglich also übernimmt. Die Hydro andererseits noch aufschieben geht auch nicht, denn, wie man an dem Fotoausschnitt sehen kann, ist die Muskulatur hinten ohnehin schon so gut wie nicht mehr vorhanden. Würde man ihn also liegen lassen und nicht bewegen, wäre irgendwann alles zu spät und die Gefahr eines Dekubitus käme noch hinzu. Die Situation ist also nicht sooo einfach und erinnert an unsere Valentina, die ja damals auch sehr sehr schwach und mager war. Ok, heute ist sie dick und kugelrund und rennt durch die Gegend, als sei nie was gewesen, aber das ist halt auch viel Arbeit und braucht Zeit.



Die Hydrotherapie basiert auf dem Prinzip Laufband im Wasser. Man kann dabei alle Parameter genau einstellen:

  • Geschwindigkeit des Laufbandes
  • Neigungswinkel des Laufbandes
  • Körpergewicht des Hundes, das auf dem Laufband lastet und bewegt werden muss
Letzteres regelt man über den Wasserstand. Je mehr Wasser desto leichter der Hund, wie wir schon im Physikunterricht gelernt haben, wenn wir in der Hundeschule waren ... Man hat also die Möglichkeit, Bewegungsabläufe einzustudieren, ohne die Gelenke und operierten Bereiche übermäßig zu belasten. Dieses Einstudieren ist extrem wichtig, denn es geht dabei weniger um die Muskulatur, als um das Gehirn. Der Hund muss ja praktisch wieder laufen lernen, ohne z.B. die Beine zu verwurschteln, also zu kreuzen und er muss den Ablauf eines Schrittes einstudieren. Genau das macht Algodão momentan. Die Muskulatur wird langsam aufgebaut, indem man den Wasserstand in den kommenden Wochen senkt, abhängig vom Schmerzempfinden.

Neben der Hydrotherapie, die bis zu 3 x täglich stattfindet, jeweils für eine halbe Stunde, geht der Bub auch spazieren  (Pipi und Häufchen machen) und bekommt zusätzliche Anwendungen im Bereich Balance, Hindernisse überlaufen etc. Er hat also ein strammes Programm, an dessen Ende das normale Laufband ohne Wasser steht, wie wir es hier auch haben und mit Max und Caddy nutzen. Auch das Schwimmen mit Weste wird die Therapie komplettieren. Dann aber muss der Hund bereits völlig schmerzfrei sein.

Der Weg ist also noch lange, aber wir sind zuversichtlich, dass er am Ende ebenso munter herumtollen kann, wie all unsere Fälle in der Vergangenheit. Einzig der Aufwand und damit die Kosten werden nicht gering sein, aber ok ... die Alternative wäre ja wohl ... und daran denken wir jedenfalls nicht und haben es nie getan. Wir glauben an den Buben, glauben an das Leben und glauben an das Positive und Schöne, das das Leben zu bieten hat. Bisweilen stellen sich halt schon mal Hindernisse in den Weg, aber das geht uns Menschen ja nicht anders, als den Tieren. Hindernisse sind dazu da, überwunden zu werden und daran arbeiten wir.

Hier noch ein Bild von Algodão beim Gassigang, mit Gehhilfe. Er ist erst 9 oder 10 Monate alt, hat also sein ganzes Leben vor sich, somit sind die harten Monate, die er momentan durchmachen muss dann auch schnell wieder vergessen.

Unterstützt den Buben und helft uns, damit er ein quietschvergnügter Hund werden kann.

Euer Piitschai





Kommentare:

  1. danke für deine Infos, Algodao wird es schaffen, da bin ich sehr zuversichtlich. Eure Klinik ist aber auch einfach sehr gut, und das finanzielle wird auch gewuppt. Zusammen bekommen wir das auch hin . <3 Grüsse Heidrun

    AntwortenLöschen
  2. Karin Berg-Moro12. Juni 2015 um 15:05

    Ja, vielen Dank für die ausführlichen Berichte und Erklärungen!! Der arme Bub schaut sehr traurig aus, man möchte ihn sofort in den Arm nehmen <3 Ich schicke ihm ganz viel Kraft.
    Er sieht wirklich noch sehr jung aus und wir denken positiv, er schafft das alles und hat dann ein schönes Leben!!!

    AntwortenLöschen
  3. Ach je, so dünn und so traurig noch. Aber das wird werden. Alles Gute für den Bub. ♡

    AntwortenLöschen
  4. Vielen Dank für diesen tollen ausführlichen Bericht. Sicherlich schaut der Bub traurig in die Gegend, wer würde das nicht in seiner Situation und seinem Alter, ABER welcher Straßenhund bekommt nach einem Unfall schon diese Chance auf ein glückliches sorgenfreies langes Hundeleben. Und da sind, wie du schon schreibst, diese momentanten Nöte, Schmerzen und Ängste nur Hindernisse in ein gutes Leben. Und allen, die Algodao auf seinem Weg in dieses neue Leben unterstützen wollen, sei hier nochmal sein Spendenkonto genannt: http://www.helpedia.de/spenden-aktionen/algodao

    AntwortenLöschen
  5. Der Aufwand ist bewundernswert aber wieso keine Schmerztherapie? Das ist veraltet!!!
    Schmerzen behindern den Heilungsprozeß!!
    Und wieso erscheint mein Kommentar nicht? Muss ich anonym schreiben damit das funktioniert?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Jeannette,

      Ihr Kommentar erscheint doch, auch unter Ihrem Namen, wo ist das Problem???

      Ich habe das mit der Schmerztherapie sehr genau erklärt und frage mich, wie Sie auf die Idee kommen, dass wir mit veralteten Methoden arbeiten. Das was in diesem Klinikverbund gemacht wird, ist wohl das Fortschrittlichste und Modernste, was es heutzutage gibt. Alleine schon die Tatsache, dass Hunde mit gebrochenen Wirblesäulen, gebrochenem Genick, mit Gewehrkugeln in der Wirbelsäule und und und ... heute wieder laufen können, als hätten sie nie etwas gehabt, zeugt wohl von der Qualität und dem Sachverstand unserer Ärzte. Algodao ist ja kein Einzelfall und auch wahrlich nicht der einzige Hund, den wir erfolgreich behandelt haben.

      Sie sollten nicht den Fehler machen und sich vor den Karren anderer Leute spannen lassen, deren wahre Motive irgendwo im Verborgenen ihrer Psyche liegen. Mir ist völlig klar, warum Sie diesen Kommentar gepostet haben ... Sorry, aber was Sie da schreiben ist nicht nachzuvollziehen, auch wenn Sie Tierärztin sind. Jeder hat sein Fachgebiet, auch in der Tiermedizin und das ist gut so. Deswegen arbeiten wir auch mit einem Klinikverbund zusammen, in dem hoch spezialisierte Ärzte kooperieren, weil man längst erkannt hat, dass auch in der Tiermedizin nicht jeder Tierarzt alles wissen und können kann. Es ist nicht anders, als in der Humanmedizin auch. Da würde ein Internist auch keine Wirbelsäulenoperation vornehmen, oder???

      In diesem Sinne ... freundliche Grüße nach Berlin

      Löschen
    2. Sehr geehrter Herr Lang,
      Leider haben Sie den Sinn einer suffizienten Schmerztherapie noch nicht erkannt, was auch nicht wundert, da Sie kein studierter Mediziner sind. Das Ammenmärchen, daß ein Körper, egal ob der eines Menschen oder eines Tieres, zu viel belastet wird wenn ihm die Schmerzen deutlich genommen werden, kursiert auch in den verschiedenen Fachdisziplinen sowohl der Human- als auch der Veterinärmedizin weiter. Im Bereich der für sich in der Humanmedizin eigenständigen Fachdisziplin "spezielle Schmerztherapie " ist es unumstritten, daß eine suffiziente Schmerztherapie den Heilungsprozeß und -verlauf positiv beeinflusst und der Entstehung eines sog. chronischen Schmerzsyndroms vorbeugt. Wenngleich auch diese Erkenntnis weltweit bisher nur in sehr geringem Ausmaß Einzug in die praktizierende Veterinärmedizin gehalten hat und selbst in den Unikliniken der HM ein Schattendasein führt, ist es wissenschaftlich erwiesen ( denn wie wir alle wissen, ist sämtliche für den Menschen bestimmte Forschung am Tier experimentell betrieben worden).
      Sobald ein Organismus Schmerzen verspürt kommt es unweigerlich zu schmerzbedingten Fehlbelastungen und Dysfunktionen, da versucht wird dem Schmerz auszuweichen. Dies hat zur Folge, daß andere meist kontralaterale aber auch unmittelbar benachbarte Bewegungssegmente fehl- und überbelastet werden. Und genau dies soll durch eine suffiziente Schmerztherapie verhindert werden.
      Es liegt mir absolut fern, die medizinische Qualität und den Sachverstand der von Ihnen zur Hilfe hinzu gezogenen Ärzte ( meinen Kollegen) in Frage zu stellen. Ich bin nicht nur sensibilisiert sondern praktiziere die präemptive Schmerztherapie, das ist die Medikation VOR dem chirurgischen Eingriff, und die intra- wie auch postoperative Schmerztherapie, da meine Schwester Frau Dr. Irena Klemmt einige der wenigen anerkannten Ärzte/Innen Berlins mit der Zusatzbezeichnung "spezielle Schmerztherapie " (geschützter Begriff) und Leiterin einer schmerztherapeutischen Einrichtung ist.
      Ihr Vorwurf, dass ich mich vor den Karren anderer Leute spannen lasse, ist eine absolute Fehleinschätzung Ihrerseits. Ich weiß noch nicht einmal wessen Karren Sie meinen. Sie maßen sich an, über die fachliche Kompetenz eines Veterinärmediziners als auch eines Psychologen zu verfügen.
      Ich will Ihren Einsatz für in Not geratene Tiere in keiner Weise schmälern und gestehe Ihnen zu: Der Tierschutz braucht Menschen wie Sie, die koordinierend tätig sind, die für Verpflegung, Pflege, Unterkunft, Behördengänge, Streicheleinheiten und so vieles mehr ihr Engagement, Gefühle und einen Großteil ihrer Lebenszeit verwenden. Sie sind Bindeglied aber nicht Herr und Richter zugleich. In Ihren Zeilen kommt eine Überheblichkeit durch, die der Sache zuwider läuft. Deshalb sei ganz klar festgestellt: Die Tiere sind Ihnen anvertraut aber nicht zwingend Ihr Eigentum. Das macht die Dinge häufig so kompliziert, und oftmals sind die Eitelkeiten und Befindlichkeiten der beteiligten Personen maßgeblich für das Scheitern verantwortlich, dem hehren Anspruch zum Wohle der Tiere zu handeln, gerecht zu werden.
      Mit freundlichen Grüßen, Jeanette Klemmt

      Löschen
  6. Werte Frau Klemmt,

    dass Ärzte dazu neigen, jeden der nicht medizin studiert hat, zu diskreditieren, ist nicht neu. Nicht umsonst nennt der Volksmund Ihresgleichen die "Götter in weiß". Selbstverständlich darf es niemand wagen, eine eigene Meinung zu haben. Wir jedenfalls bauen auf unsere Ärzte und das werden auch Sie nicht ändern. Die unglaublichen Erfolge der vielen Jahre erfolgreicher Zusammenarbeit sind eine solide Basis für unser Vertrauen. Ich wage zu bezweifeln, dass sie die Expertise unserer Ärzte besitzen, die auch international auf ihrem Fachgebiet einen ausgezeichneten Ruf besitzen.

    Interessant finde ich allerdings Ihre Anmerkung, dass ein Hund nicht zwingend unser Eigentum sei, wenn wir uns um ihn kümmern, Ich weiß durchaus, was Sie damit sagen wollen und in wessen Namen sie hier posten. Ich frage mich allerdings, wie Sie zu einer derartigen Haltung kommen. Wir stehen für jeden Hund gerade, den wir aufnehmen. Wir übernehmen oftmals die Verantwortung für das Tier bis zu dessen Lebensende und wir haften für sämtliche Kosten, von der Aufnahme bis zum Tod. Wir bekommen zwar Unterstützung durch Spenden, aber nur selten reichen diese aus, die Kosten überhaupt zu decken, von Folgekosten mal ganz abgesehen.

    Sie sagen also, dass wir zwar für alles gerade stehen dürfen, unsere gesamte Arbeitskraft und Zeit investieren dürfen, aber deswegen noch lange nicht das Recht haben, denn Hund auch als den Unseren anzusehen. Ich finde diese Sichtweise wirklich skurril und auch lebensfremd. Selbst die gesetzliche Situation ist eine Andere, ansonsten wäre es gar nicht möglich, einem Tier überhaupt zu helfen, denn solange die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind, haftet ja niemand und niemand könnte Entscheidungen treffen.

    Sie sprechen ein Scheitern an. Ich weiß nicht, was Sie damit meinen. Wir jedenfalls scheitern nicht und sind noch nie gescheitert, auch dank einer exzellenten Zusammenarbeit mit unserem Ärzteteam, dem Sie ja mit gewohnter deutscher Arroganz die Kompetenz absprechen. Mag sein, dass Ihre Schwester spezialisiert ist auf Schmerztherapie. Dass es bei Algodao um ganz andere Dinge geht, ist Ihnen offenbar entgangen. Der Hund war in einem extrem schlechten Ernährungszustand, litt an einer massiven Anämie und hatte die Wirbelsäule gebrochen sodass die Gefahr einer dauerhaften Querschnittlähmung bestand. Er brauchte eine Bluttransfusion, musste stabilisiert werden, bekam logischerweise auch Schmerzmittel und musste so schnell als irgendmöglich operiert werden, um eine Lähmung in letzter Sekunde zu verhindern, nachdem er bereits einige Tage in einer anderen Klinik von einer DEUTSCHEN Ärztin unbehandelt gelassen worden war, weil sie ihn lieber einschläfern wollte. DAS war der wahre Skandal bei Algodao und den hat eine DEUTSCHE Ärztin zu verantworten. Diese Dame hatte Medizin studiert, in Deutschland und dennoch ging´s schief. es hätte den Hund beinahe das Leben gekostet. Was also erwarten Sie von mir??? Wir wissen, wem wir vertrauen und daran wird sich auch nichts ändern, und selbst wenn Ihre Schwester den Nobelpreis für Schmerztherapie bekommen hätte. DAS war und ist nicht das Thema bei Algodao. Sie sitzen 3.000km weit entfernt und maßen sich an, zu wissen, was für UNSEREN Hund das Beste ist??? Ich glaube etwas weniger Vermessenheit würde Ihnen nicht schaden.

    In diesem Sinne

    Peter J. Lang

    AntwortenLöschen